Forschung trifft Praxis: Sedierung am Lebensende in der allgemeinen Palliativversorgung

 

Eine Nachlese

 

Der Einsatz von Sedativa und die sogenannte „Palliative Sedierung“ sind in der palliativmedizinischen Versorgung wichtige und akzeptierte Therapiemöglichkeiten zur Behandlung von schwer kranken und sterbenden Menschen, die aufgrund anderweitig nicht behandelbarer Symptome für sie unerträgliches Leiden erleben. Für Mitarbeitende in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen stellen sich hierbei mehrere Herausforderungen: In welchen Situationen setzen wir sedierende Maßnahmen ein? Wie setzen wir sedierende Maßnahmen ein? Wer ist in Entscheidungen hinsichtlich sedierender Maßnahmen einbezogen? Was ist bei der Dokumentation zu beachten?

Diesen und weiteren Fragen widmete sich am 16.07.2020 ein Workshop, der bezüglich Konzept und Umsetzung eine Premiere in der langen Workshop-Tradition der Christophorus-Akademie darstellte. Im Fokus dieses Workshops stand der Wissenstransfer aktueller Forschungsergebnisse in die Praxis sowie der ausführliche Austausch zwischen Forschung und Praxis.
Das Forschungsprojekt „SedEol“ der Klinik für Palliativmedizin hat durch Aktenanalysen und qualitative Interviews Daten zur Praxis der Anwendung von Sedativa und „Palliativer Sedierung" am Lebensende in der Hämatologie/Onkologie, Neurologie, Akutgeriatrie und Gynäkologie sowie in Pflegeheimen erhoben.

Im Rahmen des Workshops wurden die aktuellen Erkenntnisse aus dem Projekt durch Eva Schildmann, Sophie Meesters und Bettina Grüne vorgestellt und mit den Workshopteilnehmer*innen diskutiert. Darüber hinaus wurde ein Überblick über Leitlinien-Empfehlungen zu "Palliativer Sedierung" gegeben und Themen sowie Fragen diskutiert, die insbesondere die allgemeine Palliativversorgung betreffen und bislang in Leitlinien noch nicht oder nicht ausreichend berücksichtigt werden. So wurde zum Beispiel der Off-Label-Use von Medikamenten zur Sedierung am Lebensende (zum Beispiel Midazolam in subkutaner Applikation) sowie daraus resultierende Probleme, wie z.B. Kostenerstattung im ambulanten Bereich, diskutiert. Zudem diskutierten die Teilnehmenden darüber, dass bei Pfleger*innen und auch Ärzt*innen oftmals Unsicherheiten bezüglich der Medikamente bestehen, die nach Meinung der Teilnehmenden nicht allein durch Leitlinien genommen werden können.
Am Nachmittag lag der Fokus der Veranstaltung noch deutlicher auf dem Austausch zur Anwendung von Sedativa und Sedierung in der alltäglichen Praxis im Krankenhaus und in Pflegeheimen. Nachdem den Workshopteilnehmer*innen die Ergebnisse der Interviewstudie zu Herausforderungen im Umgang mit Sedativa und Sedierung am Lebensende präsentiert worden waren, diskutierten sie gemeinsam in Krankenhaus und Pflegeheim spezifischen Gruppen. Diskutiert wurden mögliche Unterstützungsmaßnahmen, die im Alltag helfen können, Unsicherheiten und Konflikte besser zu bewältigen. Zum Abschluss der Veranstaltung berichteten Elisabeth Jungbauer (Ambulantes Hospiz- und Palliative Care-Team und Palliativ-Geriatrischer Dienst, Christophorus Hospiz Verein e.V.) und Martina Rössler (SAPV, Dasein e.V.) als Praxisexpertinnen von ihren Erfahrungen mit Sedativa und Sedierung am Lebensende und tauschten sich mit den Workshopteilnehmer*innen über offene Fragen oder schwierige Fälle sowie Empfehlungen für die Praxis aus. In diesem Rahmen kamen auch alternative oder ergänzende Maßnahmen zum Einsatz von Sedativa wie Aromatherapie zur Sprache.
Für uns als Forschende war diese Veranstaltung sehr gewinnbringend. Der Austausch mit der Praxis zu ersten Analyseergebnissen hat uns wieder neue Perspektiven auf das Thema Sedativa und Sedierung am Lebensende in der Allgemeinen Palliativversorgung ermöglicht und hinterlässt neben vielen Erkenntnisgewinnen natürlich auch neue Fragen, denen wir uns in zukünftigen Auswertungen und Projekten widmen können.

Auch aus dem Kreis der Teilnehmenden hat uns viel positives Feedback erreicht. Zum einen wurde das Format – eine Mischung aus Fortbildung, Workshop und Diskussion – positiv hervorgehoben. Zum anderen zeigte sich deutlich, wie wichtig und wertgeschätzt der multiprofessionelle und Setting-übergreifende Austausch zu herausfordernden Themen in der Versorgung von schwer kranken und sterbenden Menschen ist. 

 

Zum Thema Sedierung bieten wir am 14.06.2021 einen Workshop mit Dr. Eva und Professor Jan Schildmann an.

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