Information zum Lehrbetrieb und Corona-Virus (Sars-CoV-2)

Liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer,
der Krisenstab des Vorstands hat die Durchführung von Präsenzveranstaltungen am LMU Klinikum bis auf weiteres untersagt. Derzeit finden alle Kurse und Veranstaltungen ausschließlich virtuell statt.
Wir bitten um Ihr Verständnis.

Für Fragen Ihre Kursbuchung betreffend, kontaktieren Sie uns gerne unter
Telefon 089/4400-77930 oder christophorus-akademie@med.uni-muenchen.de.


Ihr Team der Christophorus Akademie

 

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Update Arzneimitteltherapie 2020 goes online

Das digitale „Klassentreffen“

 

Manche Teilnehmende lagen gemütlich auf dem Sofa, andere hatten ihre neugeborenen Babys im Arm, und am Ende waren sofort alle ohne anstrengende Zugfahrt zuhause. Das erste digitale Arzneimittelupdate war ein wenig anders als in den Jahren davor. Aufgrund der Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie stand schon zu Beginn der Planung fest, dass das Update digital stattfinden soll, immerhin wurden rund hundert Teilnehmende aus ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz erwartet.

 

Und die wussten bei ihrer Anmeldung ebenso wenig wie die Organisator*innen der Christophorus Akademie, wie das lieb gewonnene „Klassentreffen“ ganz ohne räumliche Nähe ablaufen kann. Das Planungsteam um die Kursleiterin und Fachapothekerin für Klinische Pharmazie Constanze Rémi brauchte hierfür ein neues didaktisches Konzept, das die Vorteile des Online-Formates ausschöpfen kann. Genau dafür kam mit Constanze Rémis Schwester, der habilitierten Literaturwissenschaftlerin Cornelia Rémi, eine echte Expertin auf dem Gebiet Kommunikation und Austausch als Beraterin und Moderatorin ins Team: „Meine Mission war es, die persönliche Atmosphäre so gut es ging in das digitale Format hinüberzuretten. Das war neben den inhaltlichen Themen, in denen ich mich als Geisteswissenschaftlerin nur ganz oberflächlich auskenne, der zentrale Punkt“, erklärte sie nach Abschluss des Projektes.


IMG 5953Schon früh in der Planung wurde entschieden, dass bei einer so großen Veranstaltung nicht alle Teilnehmenden per Webcam dazu geschaltet werden können. Stattdessen sollte die Live-Kamera durchgängig auf die Referierenden und die Moderatorin gerichtet sein. Die Kommunikation zwischen den Teilnehmenden und den Referierenden wurde durch einen Chat ermöglicht. Eine Herausforderung, bei hundert Menschen, die theoretisch zeitgleich Fragen und Anmerkungen in das Chatfenster tippen können. „Bei so einer Flut an Nachrichten braucht es eine gute Moderation, die die vorsortierten Fragen an die Referierenden weitergibt, für einen roten Faden sorgt und auch die Beziehungsebene im Auge behält. Die darf neben all den Fakten, um die es gehen muss, den Dosierungen, Statistiken und Studien, nicht verloren gehen“, betont Cornelia Rémi. Weil sie als Geisteswissenschaftlerin thematisch nicht vom Fach ist, erklärte sich Christina Gerlach, eine der Referierenden an diesem Tag, bereit, die Fragen inhaltlich vorzusortieren. Zu diesem Zweck war ursprünglich ein gemeinsames Textdokument geplant, um die Fragen kollaborativ zu ordnen. „Der Plan ist leider überhaupt nicht aufgegangen. Die Firma, die für uns die Technik gemacht hat, hatte eine eigene Software laufen, mit der sich einzelne Chatfragen markieren ließen, die dann für die Referierenden im Raum auf einem Bildschirm sichtbar wurden. Dieses System ließ sich nicht so gut mit einem zusätzlichen externen Dokument vereinbaren. Außerdem liefen die Kommentare sehr schnell über den Monitor, sodass wir unglaublich konzentriert arbeiten mussten und letztlich nur mit der Software der Firma gearbeitet haben.“ Wie so oft bei Premieren, traten solche Hürden auch beim digitalen Arzneimittelupdate erst bei der Generalprobe am Tag zuvor oder sogar erst am Morgen der Veranstaltung auf. „Die Teilnehmenden haben zum Glück nicht mitbekommen, wie aufgeregt wir hinter den Kulissen noch kurz vor Beginn waren. Im Laufe der Veranstaltung hat die Technik aber hervorragend funktioniert, wofür wir in der Evaluation der Teilnehmenden auch sehr gelobt wurden. Es war die richtige Entscheidung, die technische Durchführung in professionelle Hände zu geben.“


Für Cornelia Rémi hat die digitale Form sogar Vorteile gegenüber einer Präsenzveranstaltung: „Durch den Chat war eine Polyphonie möglich, die in einem Live-Format bedeutet hätte: Alle brüllen gleichzeitig los. Durch die schriftliche Form hatten alle Teilnehmenden zwar ununterbrochen die Möglichkeit zu kommunizieren, gleichzeitig konnten wir aber durch Filtern der Fragen dafür sorgen, dass die Konzentration erhalten blieb und die Referierenden sich den Fragen im geordneten Nacheinander widmen konnten.“ Auf diese Art konnten Fragen und Anmerkungen auch nicht so leicht „verloren gehen“, denn sie bleiben im Chat stehen und verpuffen nicht in Raum. Als die Moderatorin einmal auf eine übersehene Frage im Chat hingewiesen wurde, konnte sie sich bei der Fragestellerin per direkter „Flüsternachricht“ entschuldigen und die Frage einfach im nächsten Block stellen. Neben diesen positiven Aspekten hat das Online-Format auch Schwachstellen: „Unterschwellige Kommunikationspfade, Stimme, Mimik, Gestik, wie arrangieren wir uns im Raum, körperliche Nähe, diese ganze Feinsteuerung geht in diesem Format natürlich verloren“, bedauert Rémi. Um das wenigstens ein kleines bisschen auszugleichen, könnte bei einer zukünftigen digitalen Veranstaltung ein „Mitspielpaket“ im Vorfeld versandt werden, um sich auch materiell verbunden zu fühlen. Darin könnten Materialien enthalten sein, die im Laufe des Kurses für Übungen benutzt werden. Doch auch ohne so ein Paket waren die Teilnehmenden zufrieden, viele gaben in der anschließenden Evaluation an, dass sie positiv überrascht waren, wie gut die digitale Umsetzung funktioniert hat. Es wurde sogar der Wunsch geäußert, auch nach der Zeit der Kontaktbeschränkungen die Vorteile einer digitalen Veranstaltung zu erhalten, indem das Arzneimittelupdate künftig als Hybridveranstaltung geplant werden soll. Das bedeutet, dass eine Präsenzveranstaltung vor Ort durch zugeschaltete Teilnehmende in der Ferne erweitert wird. „Damit eine Hybridveranstaltung wirklich die Vor- und Nachteile von Präsenz und Digital ausbalancieren kann, braucht es ein gut überlegtes didaktisches Konzept“, gibt Cornelia Rémi zu bedenken.


IMG 5953Seminarraum Akademie, Foto P. WilbillerGute Erfahrungen hat sie im Rahmen ihrer Lehre an der Universität Würzburg mit aufgezeichneten Vorträgen und Seminargrundbausteinen gemacht, von denen sie sich bereits einen Pool aufbauen konnte. Im Gegensatz zum Arzneimittelupdate finden Rémis Vorlesungen asynchron statt. Das ist vor allem dann nützlich, wenn viele Teilnehmende eine schlechte Internetverbindung haben. Dadurch war es von Anfang an unmöglich, die Veranstaltungen eins zu eins auf Zoom zu halten. Stattdessen hat Rémi Lernumgebungen auf Moodle eingerichtet, in denen die Studierenden sich Vorlesungen im Videoformat ansehen, in Diskussionsforen über den Stoff ins Gespräch kommen und Interaktionsaufgaben lösen. Nach vielen arbeitsreichen Monaten ist diese Art des Unterrichtens keine Notfalllösung mehr. „Mittlerweile habe ich einen guten Grundstock an Videos, in denen ich grundlegende Inhalte erkläre. Dadurch verbringe ich nicht mehr so viel Zeit damit, immer und immer wieder dasselbe zu erzählen, und kann mich in den Plenumssitzungen mehr auf die Interaktion mit den Studierenden und auf ihre Fragen konzentrieren.“ Dieses Konzept, in dem sich die Teilnehmenden die Inhalte eigenständig zuhause aneignen und im Plenum offene Fragen geklärt und das Gelernte angewendet wird, nennt man „Flipped Classroom“.


Aus all diesen Erfahrungen ergeben sich für Cornelia Rémi folgende Tipps für die Zukunft: „Wenn ich erneut eine Veranstaltung wie das Arzneimittelupdate planen und moderieren sollte, dann würde ich vor allem versuchen, die Livesituation und die sich daraus ergebende Spontanität mehr zu genießen. Natürlich macht man sich beim ersten Male viele Gedanken, oft um technische Kleinigkeiten. In der Regel funktioniert am Ende aber alles, wenn vielleicht auch nicht so wie geplant. Ansonsten würde ich bei mehr Vorlaufzeit versuchen, die Vorträge noch interaktiver zu gestalten. Außerdem könnte man überlegen, wie die Umgebung der Teilnehmenden in die Veranstaltung einbezogen werden kann, um auch dadurch eine physische Nähe zu verstärken.“


IMG 5953Seminarraum Akademie, Foto P. WilbillerUnd wie haben die Teilnehmenden das digitale Arzneimittelupdate erlebt? Grundsätzlich waren die meisten sehr zufrieden. In der Abschlussbefragung beantworteten knapp 98% von ihnen die Frage „Würden Sie noch einmal an einer digitalen Form dieser Veranstaltung teilnehmen?“ mit „Ja“ (78%) oder „Eher ja“ (19,5%). Besonders überzeugt waren die Teilnehmenden von der Organisation und Technik. Ein großer Vorteil war für die meisten, dass eine zeitintensive und teure Anreise und Übernachtung wegfällt und sie dadurch nicht mehrere Tage von der Familie entfernt verbringen mussten und zusätzlich die Umwelt schonten. Besonders gut kamen die Chatfunktion, Webseitenempfehlungen, die direkt nebenbei angesehen werden konnten, die mitgeschnittenen und später wieder abrufbaren Vorträge und die Unterbrechungen durch Meinungsumfragen an. Verbesserungsvorschläge bezogen sich vor allem auf eine bessere Erklärung der technischen Möglichkeiten im Vorfeld und die Art der Interaktion. So wurde vorgeschlagen, komplexere Fragen auch mündlich über das Mikrofon stellen zu können oder Diskussionsrunden in Kleingruppen mithilfe von Breakout-Räume zu ermöglichen. Insgesamt war das Update der Beweis, dass es bei gut durchdachter Planung auch digitale Veranstaltungen ermöglichen, Inhalte didaktisch sinnvoll zu vermitteln und den Austausch zwischen den Teilnehmenden zu fördern. Und so wurde das Planungsteam mit Rückmeldungen wie dieser belohnt: „Die digitale Premiere war hochprofessionell. Die Präsenz in diesem neuen Medium der Vortragenden war herausragend! Die Moderatorin hat ihre Mittlerrolle zwischen den Teilnehmern und den Referenten ganz exzellent ausgefüllt.“

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